Mirjam Müntefering am 23. Oktober in Saarlouis

„Ich bin ich – ich hab’s zu sagen mit mir.“ Vielleicht wusste die Politikertochter schon im Alter von sechs Jahren, dass da etwas nicht stimmte mit ihr. Heute ist Mirjam Müntefering bekennende („Ich bekenne mich lesbisch? Das klingt wie: Ich bekenne mich schuldig!“) Lesbe, Autorin, Besitzerin einer Hundeschule, „Tochter und viel mehr“ (so der Titel ihres neuen Buches).


Am vergangenen Donnerstag (23. Oktober) beehrte die 39-jährige Schriftstellerin die Saarlouiser Buchhandlung „Pieper“ mit einem Besuch und schaffte es spielend, den lichtüberfluteten Saal in ein heimeliges Wohnzimmer zu verwandeln. Zwar blieben einige der aufgestellten Stühle unbenutzt, auch waren die männlichen Zuschauer stark unterpräsentiert, dafür konnten es sich die trotzdem Gekommenen besonders gemütlich zu machen. Mit eigenem Hund im Gepäck plauderte und scherzte Mirjam Müntefering 90 Minuten lang aus dem Nähkästchen, erzählte von Hundebissen, dem Sauerland und ihrem Leben als Politikertochter.

„Der ideale Zeitpunkt für’s Outing? Wenn die Eltern im Urlaub sind! Ich schrieb meinen einen Brief und erwähnte beiläufig auch noch, dass ich mit meiner Freundin aus der Kirche ausgetreten war. Als meine Eltern zurückkamen, erntete ich Vorwürfe: Wie konnte ich nur der Kirche abschwören? Mit meiner Homosexualität hatten sie keine Probleme.“

Zum Repertoire der 39-jährigen gehören lesbische „Coming-of-age“ Romane und erwachsene „Herz-Schmerz“ Geschichten für Frauen. Aus dieser Nische wolle sie sich jedoch heraus bewegen. „In meinem letzten Buch geht es um einen Autounfall und den Tod.“ Dabei sah es lange nicht so aus, als würde jemals ein einziges Buch seinen Weg über eine Ladentheke finden. „Der erste Verlag, der sich für mein Manuskript interessierte, ging kurz vor der Veröffentlichung dummerweise pleite“. Erst sechs Jahre später fand dasselbe Manuskript bei einem anderen, größeren Verlag ein Zuhause.


Beim ersten gemeinsamen Meeting stellte eine PR-Mitarbeiterin resigniert fest, dass es schade sei, „dass ich nicht mit DEM Franz Müntefering verwandt sei. Da hätten sie mich super vermarkten können“ (kurze Anmerkung: Natürlich ist Mirjam Müntefering sogar seine Tochter..). Heute, zehn Jahre und 19 Bücher später, bringt man der Autorin da schon mehr Aufmerksamkeit entgegen. Ihre Bücher verkaufen sich mittlerweile im fünfstelligen Bereich.

Mirjam Müntefering hat es sich in den letzten Jahren in ihrer Nische ganz behaglich eingerichtet und die homosexuelle Literatur damit gefühlvoll bereichert. Dabei versteht sie es wie kaum jemand, ihren Lesern das nötige Selbstvertrauen zu vermitteln, sich selbst zu akzeptieren. „Deine Wurzeln kannst du nicht leugnen. Aber du kannst wachsen, bis hinauf in den Himmel!“


Nach Empfehlung der Autorin habe ich mir anschließend den Roman „Unversehrt“ gekauft. Gegen neun Uhr verlasse ich, noch immer gefangen im Müntefering–Kosmos, die Buchhandlung. Der Mond steht schon weit oben am Himmel als ich mit einer Tasse Tee auf meinem Sofa liege, um einmal mehr in die Welt von Mirjam Müntefering einzutauchen.