Könnte ich das nie mehr loslassen?

Wenn wir geboren werden, sind wir noch völlig frei und empfänglich für all' das Gute und Schlechte auf dieser Welt - jedenfalls fast. Ein bisschen vorgeprägt sind wir nämlich schon. Dazu gehören auch ein paar Reflexe, die uns die Natur für den Weg in den Lunchbeutel gesteckt hat.

Beispiel: Hängt man ein Baby an den Baum (ich weiß, das klingt herzlos, dient aber einfach als Verbildlichung) dann wird es niemals runterfallen. Der Greifreflex wird sein Aufgabe tadellos erfüllen und die Hände fest um den Ast umklammert halten. Oder: wenn ein Baby erst einmal den Finger einer Hand gepackt hat, ist es richtig schwer, diesen Griff nochmal zu lösen.

Der Greifreflex ist vor viiiielen Jahren entstanden, damals, als wir alle noch viel behaarter waren und uns überhaupt eher grunzend verständigt haben. (Obwohl?)

Er war deshalb so sinnvoll, weil wir früher ja alle mal Affen waren (und es manche von uns sogar heute noch sind..) und es eben wichtig war, uns von Ast zu Liane zu hangeln und überhaupt viel rumzuhängen.

Und er ist uns bis heute erhalten geblieben. Vielleicht gibt es diesen Greifreflex auch intern - vielleicht besitzt auch unser Herz einen. Vielleicht ist es deshalb ja auch so schwer, Dinge, an die wir uns erst einmal geklammert haben, einfach wieder loszulassen.

Andererseits: Kein Baby würde weiter am Baum hängen bleiben wenn es über den Ast plötzlich ein Eichhörnchen mit scharfen Krallen krabbeln sehn würde - oder doch? Vielleicht würde es erwarten, dass das Eichhörnchen lieb ist. Vielleicht würde es sogar riskieren, solange zu hängen, bis die Hand, die sie auffängt, nicht mehr da ist. Einfach, weil es mehr Angst davor hat, zu fallen, als gebissen zu werden.

Vielleicht hat unser Herz ebenfalls viel mehr Angst vor dem Sturz als vor dem Biss. Dabei könnte es auf der Wiese unter dem Baum viel schöner und weicher sein - und das Eichhörnchen uns gemein in den Finger (ins Herz) beißen...

Pimp your life.

Manchmal glaube ich, dass mein Leben eine bizarre Reality-Show ist, die auf irgendeinem Planeten täglich im Vorabendprogramm ausgestrahlt wird. Dass wir Menschen einfach nur hier sind, um eine fremde Rasse merkwürdiger Aliens irgendwo da draußen vorzüglich zu unterhalten. Dass wir nichts weiter sind als kleine große Helden, die jeden Tag aufs Neue versuchen, den heutigen Tag zum schönsten unseres Lebens zu machen. Und das bloß, um irgendeinem Spiegelbild dort draußen zu zeigen, wozu wir alles fähig sind. Vielleicht hat sich ein sehr kreativer Mensch auf eben erwähntem Planeten sogar alles auch einfach nur ausgedacht und wir sind sein Drehbuch. Eigentlich ein tröstlicher Gedanke – denn wenn alles vorherbestimmt ist, kann auch eigentlich gar nichts mehr schief gehen.

Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen (zumindest denke ich, etwas derartiges gelesen zu haben), dass unsere Entscheidungen schon Sekundenbruchteile, bevor sie in unser Bewusstsein schießen, getroffen werden. Der freie Wille hat auf den Verstand also vermutlich gar nicht so viel Einfluss, wie man selbst das gerne hätte. Finde ich McDonalds also nur deshalb besser als BurgerKing, weil es für mich schon irgendwo vorbestimmt ist? Kenne ich vielleicht nur deshalb sämtliche Britney-Spears Songs auswendig, weil es irgendwann einmal irgendwer so wollte?

Wer aber bringt uns dann jeden Tag aufs neue dazu, die Wärme unsere Bettes zu verlassen um uns immer wieder in den täglichen Irrsinn voller Pfützen, Steinen und Ameisenhaufen zu stürzen, um uns von cholerischen Chefs an maulen oder von roten Ampeln Lebenszeit stehlen zu lassen? Immer mit einem undefinierten Ziel vor Augen. Wieso versuchen wir täglich, gerade den heutigen Tag zum schönsten unseres Lebens zu machen, und jeden Abend vor dem Einschlafen zu hoffen, dass Morgen vielleicht doch noch ein bisschen besser wird?

Wie kommt es, dass wir alle auf der Suche sind, aber doch eigentlich gar nicht so genau wissen, wonach? Immer streben wir nach dem besseren Job, nach dem nächsten Abschluss, nach dem Haus, nach dem Urlaub, nach dem süßen Hintern dort vorne – und wissen doch eigentlich gar nicht genau, warum. Denn dann geht alles bloß weiter, fängt von vorne an, steigert sich, oder verschwindet ganz einfach. Und am Ende stehen wir wieder dort, wo alles angefangen hat. Sind immer noch wir selbst, haben uns verändert, sind gewachsen, sind gescheitert, sind geflogen, sind gestrandet, und fangen einfach wieder von vorne an. Denn morgen könnte der schönste Tag unseres Lebens sein.

Wir leben noch! Ein bisschen..

Liebe Leser,

ich muss gestehen, ich habe euch in letzter Zeit vernachlässigt, mich nicht ausreichend um euch gekümmert und überhaupt ehrlich gesagt eigentlich nicht an euch gedacht. Dabei wart ihr es, die diesen Blog viele Monate am Leben gehalten haben. Das tut mir leid - und deshalb geht es ab heute auch weiter. Freut euch bitte... :-)